Der Rhoder-Carnevals-Club – Tradition trifft Moderne

Von der Bierlaune zum florierenden Verein

Mitten im Herzen des Sauerlands, eingebettet in die sanften Hügel der Region und umgeben von Wäldern und Wiesen, liegt das malerische Dorf Rhode. Als Teil der Stadt Olpe ist Rhode mit seinen knapp 1.600 Einwohnern eine lebendige Gemeinschaft, die ihre Traditionen und ihren dörflichen Charakter bewahrt hat. Nur wenige Kilometer vom Biggesee entfernt, bietet Rhode nicht nur eine idyllische Landschaft, sondern auch eine starke Verbundenheit der Menschen untereinander – ein Ort, an dem man sich kennt und schätzt.

Rhode ist mehr als nur ein Wohnort: Es ist auch „staatlich anerkannter Erholungsort“ und das bereits seit 1981. Die beeindruckende St.-Cyriakus-Kirche im Ortskern zeugt von einer jahrhundertealten Tradition, während die gut erhaltenen Fachwerkhäuser und die gepflegten Gärten den Charme des Sauerlands widerspiegeln. Doch Rhode ist nicht nur historisch geprägt – es ist auch ein Dorf voller Leben. Zahlreiche Vereine prägen das Gemeinschaftsleben und sorgen dafür, dass die Dorfgemeinschaft lebendig bleibt.

Es ist ein Sonntag im März 1981. In der kleinen Dorfkneipe „Schneiders Willi“ treffen sich ein paar Männer, um den „Großsonntag“ mit einem Frühschoppen zu begehen. Bier fließt, Witze werden gemacht, und irgendwann fällt ein Satz, der das Dorfleben in Rhode für immer verändern sollte: „Warum machen wir nicht einfach unseren eigenen Karneval?“ Aus dieser Bierlaune heraus entstand der „Närrische Frühschoppen“ – ein Ereignis, das bis heute das Herzstück des Rhoder Karnevals bildet. Von Anfang an wurde ein markanter Schlachtruf geprägt, der bis heute das karnevalistische Markenzeichen des Vereins ist: „Rho-Dau!“ – abgeleitet vom Ortsnamen Rhode. Dieser Ruf hallt bis heute, wenn die Rhoder Jecken zusammenkommen.

Damals hätte wohl niemand geahnt, dass aus dieser spontanen Idee einmal ein Verein mit über 350 Mitgliedern werden würde. Doch der Rhoder-Carnevals- Club (RCC) hat es geschafft, sich von einem kleinen Kneipenkarneval zu einem lebendigen und modernen Karnevalsverein in der Region zu entwickeln. Heute, im Jahr 2026, steht der RCC nicht nur für Tradition, sondern auch für Fortschritt, Gleichberechtigung und ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Die Gründung: Eine Vision wird Realität

Fast zwei Jahrzehnte nach jenem ersten Frühschoppen war es Zeit für den nächsten großen Schritt. Am 8. März 1998 versammelten sich 21 Karnevalsbegeisterte im „Hubertushof“, um den Rhoder-Carnevals-Club offiziell aus der Taufe zu heben. Die Gründungsversammlung war geprägt von Euphorie und dem Wunsch, den Karneval in Rhode auf ein neues Level zu heben. Mit der Eintragung ins Vereinsregister des Amtsgerichts Olpe im September 1998 war der RCC geboren.

Das erste Präsidium des Vereins bestand aus engagierten Persönlichkeiten, die sich der Sache mit Herzblut widmeten. Heiner Klein wurde einstimmig zum ersten Präsidenten gewählt – ein Mann, der schon zuvor mit dem „Närrischen Frühschoppen“ bewiesen hatte, dass er ein Visionär des Rhoder Karnevals war. Ihm zur Seite standen Dieter Abel als Vizepräsident, Rainer Kosbab als Schatzmeister und Detlef Vißer als Schriftführer. Komplettiert wurde das Team durch die Beisitzer Helga Teipel und Willi Schneider (+). Gemeinsam legten sie den Grundstein für die Erfolgsgeschichte des RCC.

Kontinuität an der Spitze: Drei Präsidenten in fast 30 Jahren

Seit seiner Gründung im Jahr 1998 hatte der RCC nur drei Präsidenten – ein Zeichen für die außergewöhnliche Kontinuität und Stabilität des Vereins. Heiner Klein, der Gründungspräsident, leitete den Verein bis 2004. Unter seiner Führung wurde der Grundstein für die heutigen Strukturen gelegt, und er begleitete den Verein durch seine frühen Jahre. Für seine Verdienste wurde er 2004 zum Ehrenpräsidenten ernannt. Ihm folgte Dieter Abel, der von 2004 bis 2012 die Geschicke des Vereins lenkte. In seiner Amtszeit wurde der „Närrische Frühschoppen“ in die Schützenhalle verlegt, was dem Verein eine neue Dimension eröffnete. In seiner Amtszeit wurden auch das Präsidums- Ornat (Jacke und Kappen) eingeführt. Auch Dieter Abel wurde nach seinem Rücktritt für sein Engagement und seine Verdienste zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Gruppenbild des RCC Rhode

Seit 2012 steht Mark Leine an der Spitze des RCC. Unter seiner Leitung hat sich der Verein weiter professionalisiert. Es wurden neue Veranstaltungsformate eingeführt, die Nachwuchsarbeit intensiviert und die Gleichberechtigung im Verein eingeführt. So sieht es die Satzung des RCC vor, dass Frauen wie Männer gleichermaßen ins Präsidium gewählt werden können. Bereits im ersten Präsidium 1998 war mit Helga Teipel eine Frau vertreten. Danach waren es jedoch bis 2023 ausschließlich Männer, bevor in jenem Jahr erneut Frauen ins Präsidium gewählt wurden – ein bedeutender Schritt in Richtung Diversität und Gleichberechtigung. Im Jahr 2017 wurde feierlich die Standarte des Präsidiums des Rhoder-Carnevals-Club geweiht.

Der Weg in die Moderne: Von der Kneipe in die Schützenhalle

In den frühen Jahren war der „Närrische Frühschoppen“ ein familiäres Ereignis, das vor allem in den engen Räumen des „Gasthof Schneider“ (bis 1998) und des „Hubertushof“ (1998 bis 2003) stattfand. Doch mit der wachsenden Beliebtheit des Rhoder Karnevals stießen die Veranstalter schnell an ihre Grenzen. 2004 wagte der RCC daher den Umzug in die Schützenhalle – eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erweisen sollte.

Mit der neuen Location kamen neue Möglichkeiten: Eine große Bühne, mehr Platz für Gäste und professionelle Technik machten den „Närrischen Frühschoppen“ zu einem Highlight im Dorfgeschehen.

Die Garden: Das Herz des RCC und die Gründung der Tanzsportabteilung

Die Tanzgarden des RCC sind das pulsierende Herz des Vereins – und ein Paradebeispiel für seine Zukunftsfähigkeit. Schon 2004 wurde mit der Integration der Funkengarde Blau-Weiß in den Verein ein wichtiger Grundstein gelegt. Bis dahin war die Garde bei der örtlichen Caritas beheimatet. Heute gehören die „Rhoder Fünkchen“, die „Blau- Weißen Funken“, die „Prinzengarde“ und die „Printengarde Pink-Weiß“ fest zum Verein und zählen insgesamt rund 80 Tänzerinnen und Tänzer.

Im Jahr 2017 wurde ein weiterer bedeutender Schritt gemacht: Die Gründung einer eigenen Tanzsportabteilung. Dieses Team, bestehend aus sieben erfahrenen Mitgliedern, widmet sich ausschließlich der Weiterentwicklung des Tanzsports im RCC. Ihr Ziel ist es, die Qualität der Tänze kontinuierlich zu steigern, ohne dabei den Spaß und die Gemeinschaft aus den Augen zu verlieren. „Bei uns soll jede und jeder die Möglichkeit haben zu tanzen – unabhängig vom Talent oder Alter“, erklärt Georg Boldt, der aktuelle Leiter der Tanzsportabteilung.

Einmal im Jahr findet zudem ein Trainingswochenende für alle Garden statt. Dieses wichtige Ereignis dient dazu, den Tänzen den letzten Feinschliff zu geben und die Tänzerinnen und Tänzer optimal auf die kommende Session vorzubereiten. Es findet rechtzeitig vor der Sessionseröffnung statt und trägt maßgeblich zum guten Zusammengehörigkeitsgefühl aller Garden bei. Auch die Trainer und Betreuer bilden sich regelmäßig weiter – sei es in Bezug auf Tanztechnik oder wichtige Erste-Hilfe-Maßnahmen.

Die Arbeit der Tanzsportabteilung zeigt Früchte: Die Garden des RCC beeindrucken nicht nur bei heimischen Veranstaltungen, sondern sind auch regelmäßig bei Auftritten in der Region zu sehen. Besonders der Kinderkarneval, der seit 17 Jahren fester Bestandteil des Vereinskalenders ist, wird von den jüngsten Tänzerinnen und Tänzern mitgestaltet – und sogar von Kindern moderiert. Dieses Event ist ein Highlight für die Kleinen und zeigt, wie sehr der RCC auf die Förderung seines Nachwuchses setzt.

Wichtige Veranstaltungen: Von der Sessionseröffnung bis zur Prinzenproklamation

Neben dem „Närrischen Frühschoppen“ und dem Kinderkarneval gehören zwei weitere Veranstaltungen fest zum Jahreskalender des RCC:

1. Sessionseröffnung: Traditionell am Samstag nach dem 11.11. feiern die Rhoder Jecken denAuftakt der neuen Karnevalssession. Hier haben die Garden die Gelegenheit, ihren Eltern, Großeltern, Verwandten und Freunden die neuen Tänze zu präsentieren – ein emotionaler Moment für alle Beteiligten.

2. Prinzenproklamation: Seit 2013 findet Anfang eines jeden Jahres, meist am zweiten Samstag im Januar, die feierliche Proklamation des neuen Prinzen statt. Zuvor wurde der Prinz erst am „Närrischen Frühschoppen“ bekannt gegeben, was oft eine Herausforderung für den neuen Würdenträger war, da er niemandem etwas erzählen durfte. Mit der Einführung der Proklamation wurde dies geändert, sodass nun Familie, Freunde und Bekannte rechtzeitig informiert werden können.

Ein weiteres Highlight für den Nachwuchs ist die Einführung eines Kinderprinzen oder einer Kinderprinzessin. Dieses Amt wurde im Jahr 2013 geschaffen, um den jüngsten Karnevalisten eine besondere Rolle zu geben. Der Kinderprinz oder die Kinderprinzessin regiert den Narrennachwuchs und darf zwei Pagen auswählen, die ihn oder sie während der gesamten Session begleiten. Proklamiert wird der Prinz am Altweiber- Vormittag in der örtlichen Grundschule und Beteiligung aller Schülerinnen und Schüler sowie des gesamten Lehrpersonals.

„Alle unter einer Kappe“: Ein Karneval für die reiferen Jecken

Seit 2017 gibt es eine weitere Veranstaltung, die sich großer Beliebtheit erfreut: Gemeinsam mit der örtlichen Caritas organisiert der RCC einen Karnevalsnachmittag für die reiferen Karnevalisten. Unter dem Motto „Alle unter einer Kappe“ steht hier ein traditioneller Karneval mit Reden, Sketchen und Tänzen im Vordergrund. Das Besondere: Diese Veranstaltung wird ausnahmslos von Rhodern für Rhoder gestaltet.

Ein Wendepunkt: Die Proklamation von Prinzessin Simone I.

Im Jahr 2024 erlebte der RCC einen historischen Moment, der die Vereinsgeschichte für immer prägen sollte. Mit Simone I. wurde erstmals eine Frau zum weiblichen Prinz proklamiert. Die Nachricht schlug Wellen – nicht nur in Rhode, sondern in der gesamten Region. Der Westdeutsche Rundfunk berichtete in seiner Sendung „Lokalzeit Südwestfalen“ über dieses außergewöhnliche Ereignis.

Freundschaften über Vereinsgrenzen hinweg

Was wäre der Karneval ohne Freundschaften? Seit einigen Jahren pflegt der RCC auch Freundschaften zu anderen Vereinen, die allesamt ebenfalls Mitglied im Bund Westfälischer Karneval (BWK) sind. Begonnen hat diese Tradition mit der KG Rahrbach, gefolgt vom Karnevalsverein Neu-Listernohl, dem Karnevalsverein Schönau sowie den beiden Vereinen aus der Kreisstadt Olpe, der Bürgergesellschaft und dem Elferrat der Kolpingsfamilie Olpe. Diese Vereinsfreundschaften sind geprägt von gegenseitigem Austausch und Unterstützung: Man besucht sich bei Veranstaltungen, tauscht sich unterjährig zu Vereinsthemen aus und organisiert gemeinsame Tanzauftritte der Garden.

Ein Highlight dieser Zusammenarbeit ist die jährliche Prinzenwagenübergabe in einem VW-Autohaus in Olpe. Gemeinsam mit dem Karnevalsverein Schönau erhalten die Vereine hier ihre „fahrbaren Untersätze“ für die Session. Die Übergabe wird mit einem stimmungsvollen Programm am Freitagabend gefeiert, das die enge Verbindung zwischen den Vereinen eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Ein Verein mit Herz und Vision

Heute, im Jahr 2026, steht der RCC besser da denn je. Mit 350 Mitgliedern, einem modernen Präsidium und einer starken Nachwuchsarbeit ist der Verein ein Vorbild für viele andere. Doch der RCC ist mehr als nur ein Karnevalsverein – er ist ein Ort der Begegnung, ein Motor für das dörfliche Gemeinschaftsleben und ein Beispiel dafür, wie Tradition und jung und alt in Hand gehen können.

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Veröffentlicht am:

6. Mai 2026

Veröffentlicht am:

6. Mai 2026