Karneval trifft Tatort
Wie 15 Tänzerinnen der Narrenzunft vom Aasee zu Filmstars der KG Münster-Pluggendorf wurden.
Ein Bericht vom Wolfram Linke

Wenn sonntags der Münster-Tatort in der ARD läuft, sind die Straßen der Domstadt leergefegt – und die Wohnzimmer voll. Umgekehrt ist es, wenn 120.000 jecke Zaungäste am Rosenmontagsumzug stehen. „Warum nicht beides zusammenbringen“, dachten sich wohl die Drehbuchautoren. Gesagt – getan. Das Skript stand, die dunkelgrüne Deko war fertig. Jetzt fehlten nur noch zur Deko passende dunkelgrüne Gardetanz-Uniformen für eine Tanzgruppe. Woher also nehmen, wenn nicht stehlen? Per Nummernbingo also Exprinz Thorsten Geuting angerufen, und jener verwies den WDR an Thorsten Brendel. Und der BMK-Präsident erinnerte sich: „Die Tänzerinnen der Narrenzunft vom Aasee hatten doch mal dunkelgrüne Kostüme.“ Also kurzerhand NZA-Präsident Mortimer Behrendt angerufen, der das bestätigte. In der Zwischenzeit dämmerte es dem WDR, es sei prima, wenn auch Tänzerinnen aus Münster in den Kostümen stecken würden. „Das habe ich direkt bestätigt“, freut sich Trainerin Sandra Branse, „denn in Münster wird ja ganz anders getanzt als in Köln.“ Und stilecht sollte er ja sein, der Münster-Tatort. Die NZATrainerin startete eine Rundfrage, spontan meldeten sich 20 von den insgesamt 23 Tänzerinnen. Mal eben drei Tage freimachen – kein leichtes Ding. Am Ende blieben 15 Aktive übrig, die an einem Montag ziemlich aufgeregt um 5 Uhr morgens nach Köln fuhren. „Wir mussten um 7.30 Uhr da sein“, begründet Sandra Branse. Aufbauen, umziehen, schminken, Frühstück – die Tage waren eng getaktet – und eine echte Herausforderung: „Wir mussten die Trainings- und Tanzszenen zigmal wiederholen“, erinnern sich die Tänzerinnen Fabienne Berger und Alina Müller. „Blasenpflaster, Dextro Energen und tagelang Muskelkater“, zählen sie auf, „und am Ende waren wir total fertig“, erläutern die Aktiven. „Wir mussten sogar auch ohne Musik tanzen und eine Choreographie für einen Tanz mit Männern einstudieren, den wir dann im Rosenmontagsumzug tanzen“, zeichnet Alina Müller den Aufwand nach. Dennoch – es habe einen Riesenspaß gemacht. „Es gab ja auch Szenen, bei denen wir einfach auf dem Boden saßen, Dehnübungen absolvierten und uns belanglos unterhielten“, blicken beide fröhlich zurück. Vor allem die Gespräche mit den Tatort-Stars, Thiel und Boerne, sind ihnen in lebhafter Erinnerung geblieben: „Total nett und extrem bodenständig“, sei das Duo. „Großer Respekt und Rücksichtnahme sowie ausgesprochene Freundlichkeit gegenüber den NZA-Tänzerinnen“ beobachtete auch Thorsten Brendel, der dem Tatortteam mit Rat und Tat zur Seite stand. Bevor es überhaupt losging, sei der WDR mit einem großen Truck an seiner Haustür vorgefahren, „und nahm alles an karnevalistischen Devotionalien mit, was nicht nietund nagelfest war“, schmunzelt der BMK-Präsident. Damit wurde dann das Büro des Trainers der NZA-Tänzerinnen ausgestattet – der, so viel sei verraten, heimtückisch ermordet wird. „Vielleicht weil in Münster sonst mit einer Ausnahme nur Frauen die Tanzgruppen trainieren“, frotzeln die Tänzerinnen. Sogar eine fiktive Karnevalsgesellschaft wurde erdacht, die KG Münster-Pluggendorf (KGMP). „Ein witziger Zufall, die NZA hat ihre Wurzeln in Pluggendorf“, klärt NZA-Vizepräsident Dirk Branse amüsiert auf. Sogar eine eigene Vereinsfahne wurde kreiert. Expertise war dann auch in Sachen Tanz und Karneval gefragt: „Der Coach zählte immer mit 1,2,3,4 an. Wir haben das dann auf 5,6,7,8 korrigiert. Typische Sprüche wie Beine höher, mehr Spannung und Lächeln haben wir ebenfalls für den Trainer geliefert“, sind alle stolz. Drei Drehtage bleiben auch nicht unbelohnt – der Erlös aus der Aktion fließt direkt in die Marschtanzkostüme der NZA-Küken und -Sternchen. Bei so viel Filmmaterial – auch das Lutschen von Bonbons beispielsweise wurde mehrere Male gedreht – stellt sich die Frage, was am Ende der Schere zum Opfer fällt, und da sind sich alle einig: „Völlig egal, was übrigbleibt. Das gemeinsame einmalige Erlebnis zählt.“
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