Rückblick – 75 Jahre Bund Westfälischer Karneval
Närrisches Westfalen Jubiläumsmatinee zum 75 jährigen Bestehen
Es war die Geburtsstunde des BWK, der am 14. Januar 2024 mit einer Jubiläumsmatinee im sauerländischen Belecke sein 75-jähriges Bestehen eindrucksvoll feierte. Anfang 1949, die Schrecken des Krieges waren noch deutlich spürbar und die Zerstörungen sichtbar. Aber auch die Sehnsucht nach Unterhaltung, Kultur und Lebensfreude nach schweren Zeiten machte sich breit. Im„Kaiserhof“ in Münster trafen sich am 11. Februar Karnevalsfreunde und stellten gemeinsam fest: „Die Förderung des westfälischen Karnevals als heimatliches Brauchtum ist eine sinnvolle Pflege von bodenständigem Humor im Sinne echter karnevalistischer Überlieferung.“
Man wollte anknüpfen an die Vorkriegsjahre, als der Karneval auch im Münsterland bereits eine große Bedeutung hatte, glanzvolle Prunksitzungen und festliche Umzüge an Rosenmontag die Menschen begeisterten. Zehn Vereine nahmen sich ein lustiges westfälisches Schimmelchen“, wie es in der Chronik steht, als Wahrzeichen. Das Pferd sollte „munter herumhopsen, um so der närrischen Welt in Verständigung, Ausrichtung, fröhlichem Zusammenschluss und gemeinsamem Spiel zu dienen.“
Es war die Geburtsstunde des Bundes Westfälischer Karneval (BWK), der vor wenigen Tagen mit einer Jubiläumsmatinee im sauerländischen Belecke sein 75-jähriges Bestehen eindrucksvoll feierte. Und die Gründerväter den legendären Max „Mäkki“ Reuter organisierten noch im Jahre 1949 den 1. Westfälischen Liederwettbewerb, meldeten 1953 bei der Gründung des Bundes Deutscher Karneval dort 21 westfälische Gesellschaften an und gliederten später den Osnabrücker Raum, weil er vom eher zu „brauchtumsmäßig Menschenschlag eher Westfalen gehört“, in den Bund Westfälischer Karneval ein. Heute sind über 200 Gesellschaften im BWK vereint.
Legendäre Karnevals-Großen aus Münster wie Ronny Schnitker und Diethardt Oerding waren es, die in den danach folgenden Jahrzehnten ebenso wie Bruno Deutsche Fastnacht Ausgabe Mai 2024 1 Römer und Walter Nelskamp dem westfälischen Karneval überregional einen hohen Stellenwert sicherten. „Wir verstehen uns als Dienstleister für unsere Gesellschaften, möchten ihnen Rat und Hilfestellung geben“, so der amtierende BWK-Präsident Rolf Schröder. Ziel sei es dabei, karnevalistisches Liedgut und den Tanz zu fördern, das westfälische Brauchtum zu dokumentieren und die Jugendarbeit zu fördern.
Mit dem Teufelsturm in Menden verfügt der BWK über ein eigenes Fastnachtsmuseum. Präsentiert wird dort umfassend der westfälische Karneval in seiner geschichtlichen Entwicklung und heutigen Ausdrucksform. Jährliche Kongresse sollen den Zusammenhalt unter den Gesellschaften im Münsterland, Sauerland und Osnabrücker Raum weiter festigen. Die WDR-Fernsehgala Westfalen haut auf die Pauke“ unter der Regie des BWK-Vorstandsmitgliedes Bernhard Averhoff (Havixbeck) hebt das Beste vom Besten jährlich am Abend vor Aschermittwoch im 3. Fernsehprogramm auf die landesweite TV-Bühne.
Bei der Feier in Belecke dankte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst dem BWK: „Die Liebe zum Karneval, die tiefe Verbundenheit mit der Heimat, der starke Zusammenhalt und natürlich die Gelassenheit, Bodenständigkeit und Lebensfreude der Menschen in Westfalen haben sich über all die Zeit nie verändert.“ Und Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe bezeichnete den sechst größten Regionalverband im Bund Deutscher Karneval als „festen Bestandteil des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in der Region“. Lewe: Unzählige Menschen verbinden mit dem westfälischen Karneval viele tolle Ereignisse sowie unendlich viel Freude!“
Beim vierstündigen Festakt mit 400 Gästen in der Belecker Schützenhalle bekam das Publikum ein buntes Bühnenprogramm vom Feinsten geboten, auch hier wurde das ganze Spektrum der Leistungsfähigkeit vom Tanz bis zur Bütt deutlich. Und Schröder rief zu weiterem Engagement auf: „Wir stehen vor großen Herausforderungen, gerade jetzt ist Ehrenamt wichtig.“ Den Spagat zwischen Tradition und Modernisierung gelte es gemäß dem Motto „Brauchtum erhalten, Zukunft gestalten“ mit Bedacht zu vollziehen. Veränderungen müssten „eher mit dem Skalpell als mit der Kettensäge“ vorgenommen werden. Klaus-Ludwig Fess, Präsident des Bundes Deutscher Karneval, hatte eine wichtige Botschaft: „Karneval verbindet die Menschen. Wir sind eine integrative Kraft in dieser schwierigen Zeit. Wir sind solidarisch Deutsche Fastnacht Ausgabe Mai 2024 2 mit allen Völkern.“ Beifall schließlich für einen Spruch von NRW-Landtagspräsident André Kuper: „Dank euch ist Karneval eine Sensation.“
Helmut Etzkorn Deutsche Fastnacht Ausgabe Mai 2024 3



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